Das Lauerspiel….

 Bedürfnisgerechte Belohnung für jagdlich motivierte Hunde

 Viele Hunde lieben es zu beobachten, zu scannen, „vorzustehen“ oder Dinge regelrecht anzustarren und zu belauern – oft ganz besonders, wenn es um Wild, andere Tiere oder bewegte Reize geht.
Das Lauerspiel nutzt genau dieses natürliche Verhalten, um es in kontrollierte Bahnen zu lenken und als Belohnung im Training einzusetzen.

 

Was ist das Lauerspiel?

Beim Lauerspiel geht es um bedürfnisbefriedigende Belohnung:
Dein Hund darf das tun, was er sowieso gerne macht – lauern, beobachten, hetzen, Beute machen – nur eben an etwas Erlaubtem:

  • statt Wild → ein Keks

  • statt Katze oder Hase → ein Spielzeug

Das heißt: Dein Hund darf den Keks oder das Spieli zunächst belauern, dann hetzen, packen, fressen oder damit spielen – je nachdem, was du benutzt.

So wird aus jagdlichem Verhalten ein kontrollierbares Spiel, das ihr gemeinsam gestalten könnt.

 

Vorbereitung

Bevor du startest, achte auf Folgendes:

  • Dein Hund sollte die Bedeutung eines Markers kennen (z. B. Clicker oder ein Markerwort wie „Ja!“).

  • Die Umgebung sollte zunächst eher reizarm sein, damit dein Hund sich gut auf dich und den Keks/das Spielzeug konzentrieren kann.

  • Wähle eine Belohnung, die dein Hund wirklich mag:

    • Für Futterjunkies: hochwertige Leckerchen

    • Für Spielverrückte: kleines Zergel, Ball o. Ä.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Lauerspiel

Hole ganz langsam und bewusst einen Keks aus deiner Leckerchentasche.
Am besten hältst du ihn gut sichtbar zwischen Daumen und Zeigefinger.

Je langsamer du dabei bist, desto mehr spannst du die Situation auf – und genau das gehört zum Lauern dazu.

Versuche, mit deinem Körper und deiner Bewegung Spannung aufzubauen:

  • Stehe ruhig und stabil.

  • Atme ruhig, aber halte deinen Körper ein bisschen „angespannt“.

  • Fixiere den Keks ebenfalls kurz mit deinem Blick – du machst im Grunde das, was dein Hund auch macht.

Dein Hund soll merken: Hier passiert gleich etwas Wichtiges

Bewege den Keks nun nur wenige Zentimeter – langsam und kontrolliert.

  • Keine wilden Bewegungen.

  • Kein hektisches Wackeln.

  • Wirklich nur ein kleines, reizvolles Anstupsen der Situation.

Dein Hund soll den Keks konzentriert beobachten, nicht direkt losspringen.

Jetzt kommt der entscheidende Moment:

👉 Wenn dein Hund still steht,
👉 den Keks ruhig anschaut und konzentriert beobachtet,

dann markerst du (Click oder Markerwort).

Wichtig:
Es geht nicht darum, dass dein Hund stocksteif wie eingefroren ist – kleine Bewegungen von Augen oder Kopf sind okay. Entscheidend ist, dass er nicht nach vorne schießt, hochspringt oder dir den Keks aus der Hand reißen will.

Direkt nach dem Marker:

  • Wirfst du den Keks (oder das Spielzeug) in Blickrichtung deines Hundes.

  • So kann dein Hund sofort hinterher sprinten, ohne sich erst drehen oder sortieren zu müssen.

Das ist wichtig, denn das, was Hunde normalerweise belauern (Wild, Spielpartner, Beute), befindet sich ja auch in ihrer Blickrichtung.

Dein Hund darf jetzt:

  • losrennen

  • „Beute machen“

  • den Keks fressen oder mit dem Spieli spielen

Das Hetzen und Beute machen ist hier die eigentliche Belohnung – nicht nur das Futter oder das Spielzeug an sich.

Wenn es (noch) nicht klappt

Gerade am Anfang kann es gut sein, dass dein Hund:

  • direkt losprescht

  • hochspringt

  • den Keks aus der Hand schnappen will

  • sich nicht ruhig auf das Beobachten einlassen kann

Dann gilt:

  1. Kein Marker, wenn er nicht ruhig ist.

  2. Der Keks wandert kommentarlos wieder zurück in die Leckerchentasche.

  3. Deine Aufgabe ist es jetzt, es ihm leichter zu machen.

Kleinschrittiger vorgehen

  • Markere früher:
    Warte nicht auf lange, perfekte Ruhe, sondern markere schon das erste kurze, ruhigere Beobachten.

  • Distanz anpassen:
    Halte den Keks ggf. etwas weiter weg von seinem Kopf.

  • Erregungslevel senken:
    Vielleicht vorher kurz schnüffeln lassen, ein paar ruhige Übungen machen oder eine Pause einbauen.

Die Regel ist:
👉 Kein Marker für Frontalangriff, nur für ruhiges Beobachten.
👉 Du gestaltest die Situation so, dass dein Hund Erfolg haben kann. 

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Zu viel Tempo im Menschenkörper
    Wenn du hektisch bist, wirst du deinen Hund eher hochpushen, statt Ruhe im Lauern zu fördern.

  • Belohnung zu nah am Hund
    Zu nah = zu verlockend. Lieber etwas Distanz reinbringen.

  • Marker zu spät
    Wenn du erst markerst, wenn dein Hund schon ansetzt zum Springen, verstärkst du das Gegenteil von dem, was du möchtest.

  • Zu lange am Stück
    Lieber mehrere kurze Sequenzen statt ein endloses Lauerspiel, bei dem dein Hund völlig hochdreht.

Warum das Lauerspiel so wertvoll ist

Das Lauerspiel kann:

  • jagdlich motivierten Hunden ein kontrolliertes Ventil bieten

  • die Kooperation zwischen dir und deinem Hund stärken („Belauern geht auch mit meinem Menschen zusammen!“)

  • dir helfen, Blickverhalten und Erregungslevel besser zu beobachten und zu steuern

  • im Training als hochwertige Belohnung genutzt werden, z. B. nach einem guten Rückruf oder ruhigem Verhalten bei Reizen

Es befriedigt echte Bedürfnisse – statt sie nur zu unterdrücken.

 

Varianten des Lauer Spiels

Du kannst das Prinzip später anpassen, wenn dein Hund die Grundidee verstanden hat:

  • Mit Spielzeug statt Keks
    Besonders für Hunde, die gerne zergeln oder tragen.

  • Aus größerer Distanz
    Du präsentierst den „Beutereiz“ ein paar Meter von deinem Hund entfernt.

  • In Alltagssituationen
    Z. B. nach einem gelungenen Rückruf von Wild weg oder nach ruhigem Verhalten bei Sichtung eines Reizes.

Wichtig ist immer: Zuerst Lauern & Beobachten – dann Hetzen & Beute machen.

 

So bekommst du ein gutes Gefühl dafür, wie viel Spannung, wie viel Bewegung und welcher Zeitpunkt für den Marker passend sind.

Anschauungsmaterial

Hier findest du ein Video von Sara und Milo, die das Lauerspiel vormachen:
👉

Lust auf mehr ?

Hier findest du unsere Blogbeiträge, mit vielen verschiedenen Themen und wertvollen Infos.

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